Warum man traditionelle ERP- und MRP nicht zwingen kann Projekte zu steuern

Ein früherer Blog erläutert die Unterschiede zwischen einer "normalen" auftragsbezogenen Fertigung und Projektfertigung. Auftragsbezogene Fertigung orientiert sich ja an Aufträgen (z.B. Arbeitsaufträge, Produktionspläne). Projektbezogene Fertigung beinhaltet auch eine Reihe von "Aufträgen" (inklusive Arbeitsaufträgen, Bestellungen und anderen Aktivitäten) und sie werden als Kontroll- und Meldepunkte verwendet. Aber in der projektbezogenen Fertigung werden die gesammelten Informationen und das Reporting über ein Projekt und seine tief verwurzelte Struktur aktiviert. Die Projektstruktur, oft definiert in einem Projektstrukturplan (PSP), folgt den Vertragskonditionen und Meilensteinen des Projektes. Und unterstützt die erforderlichen Reportings, Fakturation (Abrechnungen, Kostenschätzungen bis zur Fertigstellung) und Terminverfolgung.

Stark vereinfacht sind Arbeitsaufträge und Bestellungen an bestimmte PSP-Elemente gebunden. Und die Kosten und Zeitplanerfüllungen werden von der Bestellung über diesen Link zum PSP geführt. Projektstatusberichte kommen durch die PSP, die zu einer Zeitleiste gebunden ist (PERT-Diagramm).

Während diese vereinfachte Anordnung Kosten und Zeitplan an das Projekt bindet, adressiert es nicht einige der Material- und Buchhaltungsanforderungen, die ein Teil der vielen Verträge sind, insbesondere der Regierungs-, Militär- und Luft- und Raumfahrt-Kunden.

Viele öffentliche Aufträge erfordern eine klare Verantwortlichkeit von allem was für den Auftrag erworben oder hergestellt wird. Das heisst, dass ein Teil der für Vertrag A erworben oder hergestellt wurde, für den Auftrag A reserviert und verfolgt wird. Das Teil kann nicht für Vertrag B verwendet, mit anderen Verträgen zusammengemischt oder als Lagerteil gebraucht werden. Das geht völlig entgegen den grundlegenden Ansätzen von MRP und ERP, die ein Teil nur als ein Teil sehen, das überall einsetzbar ist wo es gebraucht wird. Die MRP-Logik muss geändert werden (Unterbinden der wirtschaftlichen Mengen- und der grundsätzlichen Verfügbarkeitslogik) um die Teile dieses Vertrages separat zu halten und sich an die Verantwortlichkeitsvorgaben zu halten. Entweder das, oder jeder Vertrag wird als sein eigenes Werk behandelt, getrennt von allen anderen (mehrere MRP "Instanzen" oder "Umgebungen").

Als Alternative gibt es Regeln und Verfahren, die es erlauben können Materialien von oder zu einem Vertrag zu entlehnen und ersetzen. Aber der Prozess ist umständlich und erfordert eine umfangreiche Dokumentation. Entlehnen und ersetzen beseitigt nicht die Notwendigkeit, das MRP zu beschränken wie gerade beschrieben.

Unterm Strich heisst das: Es ist sehr schwer ein "Standard" MRP / ERP in eine Projektumgebung zu verwandeln, weil es nicht die notwendige Projektstruktur und Berichterstattung hat. Und weil es auch nicht die materiellen Verantwortlichkeitsanforderungen vieler staatlicher Auftragssituationen unterstützt.

Falls Sie ein Projekt-Hersteller sind, leistet Ihr ERP-System in Ihrer Umgebung eine perfekte Arbeit oder benötigen Sie Uebergangslösungen ausserhalb der Berichterstattung, um den Anforderungen Ihrer Kunden gerecht zu werden?