Selbst machen oder kaufen? Alle Kosten erkennen

Der Entscheidungsprozess ob selbst machen oder kaufen ist im Grunde immer der Gleiche. Heute hingegen ist viel mehr involviert, was den Prozess einiges komplexer macht als in der Vergangenheit. Hersteller haben einen besseren Einblick in die zahlreichen Faktoren, welche die Kosten bestimmen um ein Teil oder ein Produkt zu kaufen, und ein erhöhtes Bewusstsein für einige der weniger offensichtlichen Kosten. Die Kostenkalkulation für das "selbst machen" ist ebenfalls umfassender und zutreffender, aber die wirklichen Veränderungen sind offensichtlicher auf der "kaufen" Seite in dieser Gleichung.

Alle Einkaufsprofis sind mit dem Konzept des Einstandspreises vertraut - die tatsächlichen Kosten um ein gekauftes Produkt zur Warenannahme zu bringen, einschliesslich der Kosten des Produkts, Versand und Transport, Abgaben und Steuern und anderer Kosten, die auf Rechnungen des Lieferanten und oder anderen Dienstleistern in der Lieferkette stammen können. Diese Kalkulation ist ziemlich einfach. Was hingegen nicht so einfach ist das Zusammentragen der weniger direkten Kosten für die Beschaffung.

Die Unternehmen haben lange mit dem Konzept der Beschaffungskosten gekämpft. Es ist einer der kritischen Faktoren in der Formel der traditionellen Wirtschaftsbestellmenge (EOQ), die seit mehr als einem halben Jahrhundert besteht. EOQ versucht, die Lagerhaltungskosten (auch eine schwierige Grösse zum Definieren) gegen Bestellungskosten auszubalancieren, um die Auftragsmenge zu ermitteln, welche die niedrigsten Gesamtkosten liefert. In der Theorie werden einfach alle involvierten Kosten zusammengerechnet und dann durch die Anzahl Einheiten geteilt. Das Problem ist zweifach; viele dieser Kosten sind entweder in den Gemeinkosten oder in Allgemeines und Verwaltung enthalten und deshalb schwer herauszubrechen. Das andere Problem ist die Annahme, dass jeder Kauf die gleiche Menge an Ressourcen verbraucht - eine lächerliche Annahme, aber logische Alternativen sind schwer zu bekommen.

Eine wesentliche Veränderung in der modernen Sicht der Beschaffungskosten ist das Erkennen der indirekten Kosten, die mit langen Lieferketten verbunden. Die langen Transportlaufzeiten und der erhebliche Transportaufwand diktieren grosse Bestellmengen, die wiederum grosse Bestände (sowohl im Unternehmen oder im Transit) verursachen. Diese grossen Lagerbestände tragen in sich ein erhöhtes Risiko von Diebstahl, Beschädigung, Alterung und die oben genannten Buchkosten. Grosse Vorräte und lange Vorlaufzeiten machen das Unternehmen auch anfällig auf Auswirkungen der Nachfrageveränderung; entweder mit grossen Mengen von unverkäuflichem Inventar bei Nachfrageverschiebungen und -abnahmen, oder für längere Wartezeiten, wenn ein Produkt sich schneller verkauft und kein Lager mehr vorhanden ist.

Vielleicht ebenso herausfordernd ist die Absatzfinanzierung mit Vorgaben für das Supply Chain Risiko. Aktuelle Störungen in der Lieferkette, einschliesslich Erdbeben, Tsunamis, Überschwemmungen, Vulkanausbrüchen, Streiks und Piraterie – um nur einige zu nennen – haben vielen die Augen geöffnet und machten Einkaufsabteilungen bewusster, wie zerbrechlich moderne "schlanke" Lieferketten sein können.

Die Berücksichtigung all dieser zusätzlichen Kosten im Entscheidungsprozess selbst machen oder kaufen, kann das Zünglein an der Waage sein, ob in China oder lokal (regional) gekauft wird, oder vielleicht im eigenen Unternehmen hergestellt wird.

Lokale oder die eigene Herstellung ist vielleicht keine realistische Alternative, wenn Outsourcing bereits zum Aussterben aller lokalen Produktionskapazitäten geführt hat.

Haben Sie vergangene Entscheidungen zum Outsourcing schon überdacht?