Produktion kann “sexy” sein

Ganz allgemein hat die Produktions- oder Fertigungsindustrie ein Imageproblem. Die breite Öffentlichkeit, und noch viel wichtiger, die Uni-Abgänger/Innen, beurteilen die Arbeiten in dieser Industrie als schlecht für den Rücken, mühsam, dreckig und gefährlich. Diese verzerrte Wahrnehmung ist ein wesentlicher Faktor dafür, dass Unternehmen heute Schwierigkeiten haben die Qualifikationslücke zu schliessen. Firmen in der Produktions- oder Fertigungsindustrie kämpfen, um Arbeitskräfte zu finden und um Arbeitsplätze in der Fabrik zu füllen. Die Menschen wollen einfach nicht in diesem Wirtschaftszweig arbeiten.

Wir müssen uns aber vor Augen führen, dass die Industrie nicht mehr das ist, was sie vor 50 oder sogar vor 20 Jahren war. Die moderne Fabrik ist sauber, hell, gut organisiert und sicher. Es geht mehr um elektronische Kontrollpanels und Touch Screens als um sich wiederholende Tätigkeiten und um Atemschutzmasken. Aber - die breite Öffentlichkeit will das nicht verstehen.

Ein weiterer Grund für die Qualifikationslücke ist die veraltete Vorstellung, dass nur ein Uni- oder Hochschulabschluss den Weg zu einem gut bezahlten und interessanten Job ebnet. Es ist nichts falsch ein einer höheren Bildung, aber ausser einigen Abschlüssen in Mathematik, Technologie oder Engineering sind diese nicht wirklich brauchbar im Umfeld der Fertigung. Den grössten Bedarf hat die Branche aktuell an Maschinisten/Innen, Schweissern, Labortechnikerinnen und CNC-Programmierern/Innen. Das sind somit auch die grössten Chancen für jemanden, der in diesem “Geschäft” arbeiten will. Diese Fähigkeiten werden am häufigsten in Berufsschulen oder an internen Kursen in Fertigungsunternehmen unterrichtet.

An all die “Geeks” da draussen - neue Generationen von Robotertechnik, Bildverarbeitung, automatischen Steuerungen und Sensoren sowie 3D-Druck Konzepte und leistungsfähige Cloud-Computing-Konzepte sowie das Internet machen die “Fertigung” doch irgendwie “cool”. Es kann eine Brutstätte für Innovation an Produkten und Prozessen sein. Was daran sollte man nicht mögen?

Das bringt uns zurück zum Image-Problem. Die beste Antwort darauf ist eventuell die gute alte Öffentlichkeitsarbeit. Die Branche (Produktion, Fertigung, Hersteller) muss erreichen, dass die Gesellschaft die Industrie anders wahrnimmt. Communities, Jugendgruppen und Schulen müssen mit Aktivitäten erreicht werden, welche vor allem junge Menschen ansprechen (Ferienjobs, Praktika oder Ausbildungsprogrammen). Das alles soll dazu führen, dass junge Menschen mit eigenen Augen sehen, welche Karrieremöglichkeiten es in einer modernen Fabrik gibt.

Klar ist, wenn sich die Industrie als grossartigen Arbeitsort für die kommende Generation präsentiert, dann muss auch daran gearbeitet werden, dass dem so ist. Fertiger müssen in die Zufriedenheit der bestehenden Mitarbeitenden investieren und so zu Empfehlungen kommen.

Was tut Ihr Unternehmen, um jungen Menschen zu helfen, die spannende Welt der Produktion im 21. Jahrhundert zu entdecken?